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Hûd í-Dúnedain - Von verlorenen Bögen und Kletterschweinen

Verfasst: Mi 23. Feb 2011, 16:05
von Finelleth
[[Finelleth und Silanwen sind zurzeit dabei, Band III (Verbündete des Königs) IC zu questen. Das war bisher immer sehr spaßig, und da ich gerne schreibe nun folgende Erzählung. Man sollte hierbei allerdings davon ausgehen, dass die ganze Aktion in einer "anderen Zeitlinie" spielt, da ja jeder andere Charakter diese Questreihe auch schon erlebt haben kann. Es geht bei der Erzählung sowieso mehr um die Reise und die Erlebnisse (und die Freude am Schreiben) dabei als darum, die Charaktere als Helden hinzustellen. Also bitte nicht im Spiel darauf Bezug nehmen.]]



Hûd í-Dúnedain - Von verlorenen Bögen und Kletterschweinen


Verwundert hielt sie den Brief in den Händen. Wie in aller Welt war er nur gerade an sie gekommen? Sie drehte ihn noch einmal um. Auf dem Umschlag stand in geschwungerner Schrift ihr Name. Doch glauben konnte sie es noch nicht wirklich. Sie blickte zum wolkenlosen Himmel über Lanthir-e-nauth auf und schloss die Augen. Diesen Pethelen, der ihr den Brief gesendet hatte, kannte sie nicht, hatte noch nie von ihm gehört. Meister Elrond andererseits war ihr natürlich ein Begriff. Sie atmete laut aus, und fing mit den Reisevorbereitungen an.

Einige Zeit später saß Finelleth im Sattel in Richtung Bruchtal.

Während der langen Reise hing sie die meiste Zeit ihren Gedanken nach. Wie kam es, dass Pethelen gerade an sie geschrieben hatte? Herr Elrond kannte doch gewiss mächtigere Elben als die ehemalige Grenzwächterin des goldenen Waldes. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen, war aber neugierig, aus welchem Grund Elrond sie zu sich rief.

Das Auenland, die Breelande und die Einöde nahe Amon Súl zogen rasch an ihr vorbei. An der letzte Brücke traf sie eine Elbenkundschafterin, die sie weiter zur Bruinenfurt schickte. Dank der Wegbeschreibung fand Finelleth das verborgene Tor von Imladris nach nicht allzu langer Zeit. Sie ritt zu den Stallungen und gab ihr Pferd dort ab. Gerne hätte sie sich das versteckte Tal genauer angesehen, doch Elrond hatte Eile geboten. So begab sie sich zum großen Haus, welches sie beim Abstieg vom Hochmoor aus schon erblickt hatte. Vor der Pforte fragte sie nach Pethelen, und dieser ließ nicht lange auf sich warten. Er begrüßte Finelleth und sie betraten zusammen das heimelige Haus.

Drinnen erwartete sie bereits Elladan, Elronds Sohn, der sie zur Halle des Feuers mitnahm. Finelleth schien Meister Elrond beeindruckend, weise und zugleich stark, doch sie spürte auch seine Sorge. Sie hörte dem Gespräch zwischen Elrond und seinen Söhnen zu, es schien zum Teil um den Herrn Elessar zu gehen, der ab und zu zu Gast im Goldenen Wald gewesen war. Elrond forderte sie auf, ihn in seine Bibliothek zu begleiten, um ihr ihre Aufgabe zu erklären. Er sprach von den Dúnedain des Nordens, und dem Ruf ihres Anführers aus dem Süden. Die Dúnedain-Waldläufer waren über Eriador zerstreut, und Elrond trug Finelleth auf, sie nach Bruchtal zu versammeln. Acht Namen nannte er ihr, und zum Schluß ermutigte er sie mit den Worten: "Auch wenn dir diese Aufgabe nun allzu gewaltig erscheint, verzage nicht. Es wird dich jemand begleiten, den du kennst, und der die Pfade Eriadors lange bereist hat. Der Weg wird offen vor dir liegen." Warum er gerade sie ausgewählt hatte, sagte er ihr jedoch nicht.

Sie verließ das Haus, mit dem Namen des ersten Dúnadan im Kopf: Radanir, der sich in Thorenhad in den Trollhöhen aufhielt. Doch wer würde ihr Begleiter sein? Pethelen? Er stand wieder vor der Pforte, doch er schüttelte lächelnd den Kopf. Kurze Zeit darauf kam eine bekannte Elbin mit Speer und Schild vorbei - Fuinriell, Caun des Hauses Celebriaen Elanesse. Sie begrüßte Finelleth herzlich, war aber aus anderem Grund in Bruchtal.

Dann schließlich öffneten sich die Türflügel von Elronds Haus, und heraus trat eine grüngewandete Gestalt mit geschultertem Bogen. Finelleth wollte gerade die Frage stellen, als Pethelen auf die Person wies und sagte: "Und hier ist eure Wegweiserin. Suilad, brennil Silanwen! Möge Eure Reise von baldigem Erfolg sein." Silanwen schien genauso erstaunt zu sein, wie Finelleth, aber schon bald wich die Überaschung der Freude. Zusammen machten sie sich auf in Richtung Stall, um den Mann namens Radanir zu finden....

Re: Hûd í-Dúnedain - Von verlorenen Bögen und Kletterschwein

Verfasst: Fr 25. Feb 2011, 16:01
von Finelleth
Der Ritt nach Thorenhad verlief ereignislos. Mithlim und Dúnecthel bewältigten die Reise durch das Hochmoor ohne sichtliche Anstrengung, beide Elbenpferde waren ausgeruht und das Wetter war gut. Auf dem Weg zum Stall in Bruchtal hatten Silanwen und Finelleth eine elbische Flötenspielerin getroffen, der sie einige Minuten zugehört hatten. Auch während des Rittes schien das fröhliche Lied in Finelleths Gedanken nachzuhallen. Schweigend folgte sie der Kundschafterin, die sich in den Trollhöhen bestens auskannte.

Sie bogen von der Großen Oststraße nach Norden ab, in die Wildnis hinein. Ein Stückchen weiter ragte links von ihnen eine alte rhudaurische Ruine auf - Thorenhad. Ein Elbenkundschafter winkte ihnen von oben zu, und sie ritten dem Dammweg folgend ins Innere.

Finelleth blickte sich um. Viele Elben bevölkerten das kleine Lager, das in der Ruine aufgeschlagen worden war, doch sie konnten niemanden erkennen, der nach einem Waldläufer aussah. Einem Impuls folgend legte sie die Hände an den Mund, und rief: "Radanir! Ist Herr Radanir hier?" Silanwen blickte sie entgeistert an. "Still!" zischte sie. Finelleth blickte zur Seite, eine Elbin nahe einer der Säulen hatte ihr zugewunken. "Radanir ist nicht hier. Er brach nach Norden zum Gladdalf auf," sagte sie.

Inzwischen hatte Silanwen mit den Söhnen Elronds gesprochen, die nebenbei am Lagerfeuer saßen. Es wurde bald klar, dass ihnen nichts anderes übrig bleiben würde, als Radanir im Gladdalf zu suchen. "Kennst du dich dort denn aus?" fragte Finelleth, woraufhin Silanwen ihr erzählte, dass sie lange alleine in den Trollhöhen gejagt habe. Sie folgten einer engen Schlucht nach Nordwesten, bis sie zu einem steilen Abhang kamen. Dort ließen sie die Pferde zurück, und gingen vorsichtig zu Fuß weiter, denn im Gladdalf gingen Waldtrolle um. Den meisten konnten sie ausweichen, ohne gesehen zu werden, doch schließlich nahm Silanwen ihren Bogen und sandte ihre Pfeile gegen einen Troll, der sie entdeckt und angegriffen hatte.

Finelleth blieb stehen. Sie schaute zu, wie Silanwen ihre Pfeile abschoss, und verzog das Gesicht. "Was ist?" fragte die Kundschafterin, und zog ihre Pfeile aus dem toten Waldtroll. "Ich habe meinen Bogen vergessen!" antwortete Finelleth. Silanwens Augenbrauen schossen nach oben. "Wo?" "Er hängt an meiner Satteltasche. Es muss jetzt eben ohne gehen." Damit setzen die beiden ihren Weg nach Nordosten fort.

Schließlich kamen sie zu einer Höhle, in der Silanwen den Waldläufer Radanir vermutete. Und tatsächlich fanden sie ihn direkt hinter dem Eingang zu den Laenan-Grotten. Er sagte jedoch, er könne nicht gehen, ehe nicht die Orks, die sich darin breitgemacht hatten, aus der Höhle vertrieben waren. So machten sie einen guten Plan: Silanwen und Finelleth würden die Orks aufscheuchen und so viele wie möglich erschlagen, während Radanir am Eingang zurückbleiben und die Flucht verhindern würde. Radanir lieh Finelleth seinen Bogen.

Die beiden Elben eilten durch die verzweigten Gänge von Laenan. Immer wieder trafen sie auf kleine Gruppen von Orks, die sie erschlugen. Nach einiger Zeit kamen sie zu einer größeren Halle innerhalb der Höhlen, in der sich die Haupthorde der Orks versammelt hatte. "Spürst du das?" fragte Finelleth, die auf einmal ein mulmiges Gefühl befallen hatte. Silanwen nickte, und wies weiter nach vorne, zum anderen Ende der Halle. "Es kommt von dort," wisperte sie. Dann legte sie einen Pfeil auf die Sehne, und schoss dem Ork-Anführer durchs Auge. Seine Begleiter waren verschreckt, leisteten jedoch Widerstand. Finelleth bekam einen Schnitt am linken Oberschenkel ab, als sie einem der Orks ihre Klinge in den Bauch rammte. Sie verzog das Gesicht, kämpfte jedoch umso verbissener weiter.

Sie standen vor einem alten Tor. Die letzten beiden Orkkrieger hatten fliehen wollen, waren jedoch durch gut gezielte Pfeile in den Rücken gestoppt worden. Auf dem Boden stand ein geheimnisvolles Relikt, eine Art übel leuchtender Felsen, von dem das ungute Gefühl, das beide Elben beim Betreten der Halle gespürt hatten, ausging. Finelleth untersuchte es, aber sie fand keine Hinweise darauf, um was es sich handelte. Auch das Tor nahebei war fest verriegelt. "Lass uns verschwinden," meinte Silanwen. Und das taten sie.

Zusammen mit Radanir kehrten sie nach Thorenhad zurück. Finelleth lief diesmal voran, immer darauf bedacht, aus dem Blickfeld der Waldtrolle, die zwischen ihnen und ihren Pferden waren, zu bleiben. Dennoch mussten sie ein, zweimal erneut die Klingen ziehen. Dennoch war Finelleth sich sicher, Silanwen würde ihr später sagen, dass sie eines Tages ja doch eine ganz passable Kundschafterin abgeben würde. "Du hast deinen Bogen vergessen!" sagte Silanwen jedoch, halb ernst, halb scherzend. "Ein guter Kundschafter hat seinen Bogen immer dabei!"

In Thorenhad machten sie Rast. Radanir würde nach Bruchtal reiten, für die Elben ging die Reise am nächsten Tag in Richtung Feste Guruth weiter, um den Waldläufer Candaith zu suchen.....