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Re: In den Hallen des Hauses Celebriaen
Verfasst: Sa 4. Jun 2011, 11:43
von Norliriel
"Ja." antwortet Norliriel schließlich. "Doch damals lebten wir Noldor noch ohne die Hoffnung, dass auch nur unsere Klagen nach Valinor gelangen würden, denn wir waren verbannt.
Als wir, die traurigen Überlebenden der Weißen Stadt, nach Nan-tathren gelangten, sangen wir viele Klagelieder, denn endlich hatten wir die Kraft zu trauern. Ich sang auch für Mórilinn, meine Melfileg, obwohl meine Stimme nicht so schön war die ihre, und ich begriff das ihr Lied ihr Sieg gewesen war, ein Sieg für die Eldalië - trotz allem, das der Dunkle Feind uns angetan hatte, dieses eine hatte er nicht erreicht: er hatte sie nicht zwingen können, stumm zu sterben. Dieses letzte Lied hatte er ihr nicht geraubt."
Norliriel schaut Faerwen, Colgael, und Nurfiniel an. "Ich habe euch ihre Geschichte erzählt, denn sie soll nicht vergessen werden." Für einen Moment schweigt sie.
"Doch nun singt uns eines Eurer Spottlieder, gwathel Finelleth, damit Nurfiniel wieder fröhlich sei! Denn ich wollte ihr mit meiner Erzählung keinen Schmerz bereiten."
Re: In den Hallen des Hauses Celebriaen
Verfasst: Sa 4. Jun 2011, 16:13
von Nurfiniel
Mit einem flüchtigen Lächeln schaut Nurfiniel zu Norliriel und meint:
"Ja, lasst uns niemals vergessen und dennoch nach vorne schauen. Noch ist nicht alle Hoffnung vergebens. Traurigkeit begleitet mich selbst schon sehr lange. Es begann damit, wie ich den Vater unter dem Verlust seines geliebten Fürsten leiden sah; und es setzte sich fort, als ich den einzigen Mann verlor, den ich jemals geliebt habe. Vielleicht erzähle ich euch einmal davon."
Re: In den Hallen des Hauses Celebriaen
Verfasst: Sa 4. Jun 2011, 19:20
von Finelleth
Faerwen setzt ein fröhliches Lächeln auf, und alle Traurigkeit scheint aus ihrer hellen Stimme zu weichen, als sie zunächst leise, dann etwas lauter zu singen beginnt.
"Strähnen wie von gold'nem Schein,
Müssen stets geordnet sein.
Kamm und Bürste stets vorhanden,
Selbst in allzu fernen Landen.
Finelleth, o Finelleth! Denk' nicht an dein Haar!
Finelleth, o Finelleth! Wird es dir nun klar?
Deine Klinge führst du nicht,
Deinen Bogen trägst du nicht,
Finelleth, o Finelleth! Denk' nicht an dein Haar!
Und geht das Haarband mal verloren,
Rot werden die spitzen Ohren.
Wie peinlich, alles wirr und wüst!
Wie groß die Schande dann nur ist!
Finelleth, o Finelleth! Denk' nicht an dein Haar!
Finelleth, o Finelleth! Wird es dir nun klar?
Deine Klinge führst du nicht,
Deinen Bogen trägst du nicht,
Finelleth, o Finelleth! Denk' nicht an dein Haar!
So schnell erzürnt bei dem Gesang?
Nur böse Blicke bringt der Klang?
Grämt euch nicht, sie tut nur so!
Schon morgen ist sie wieder froh."
Finelleth, o Finelleth! Denk' nicht an dein Haar!
Finelleth, o Finelleth! Wird es dir nun klar?
Deine Klinge führst du nicht,
Deinen Bogen trägst du nicht,
Finelleth, o Finelleth! Denk' nicht an dein Haar!
"Es hatte noch einige Strophen mehr, und sie hielten sich stets für furchtbar lustig. Meistens kamen sie gar nicht bis zum Ende, weil sie vorher vor Lachen nicht weitersingen konnten." Sie schmunzelt und schüttelt sanft den Kopf. "Auch war es bei weitem nicht ihr einzigstes Lied. Aber dazu vielleicht ein andermal mehr."
Re: In den Hallen des Hauses Celebriaen
Verfasst: Sa 4. Jun 2011, 23:24
von Norliriel
Norliriel schaut Nurfiniel mitfühlend an. "Es wäre mir eine Ehre wenn Ihr es mir erzählen würdet, wann immer Ihr dazu bereit seid."
Dann, als Faerwen singt, stiehlt sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. "Das ist in der Tat - ein vorzügliches Spottlied, wenn ich das sagen kann ohne Euch zu verärgern."
Re: In den Hallen des Hauses Celebriaen
Verfasst: So 5. Jun 2011, 00:28
von Finelleth
Die blonde Elbin lacht leise.
"In diesem Lied gaben sie mir zum ersten Mal den Namen Finelleth. Das Elbenmädchen mit den Haaren. Doch sollten weitere Namen folgen."
Erneut kichert sie hell, wartet aber dann ab, ob einer der anderen Anwesenden sprechen möchte.
Re: In den Hallen des Hauses Celebriaen
Verfasst: So 5. Jun 2011, 12:02
von Colgael
"Linnol vae, Faerwen, du singst gut. Und ich danke Dir für dieses Lied" sagte Colgael. "Doch bitte entschuldigt mich nun, ich muss noch einiges vorbereiten für den heutigen Abend."
Mit einem Lächeln verbeugte er sich vor den Anwesenden und machte sich auf.
Re: In den Hallen des Hauses Celebriaen
Verfasst: Mo 6. Jun 2011, 09:43
von Nurfiniel
Mit einem leichten Lächeln nickt Nurfiniel in die Runde und beginnt zu erzählen:
Ich erinnere mich so gut als ob es erst gestern gewesen wäre. Und doch liegen die Ereignisse schon viele viele Jahre zurück.
Es war einer der seltenen Besuche in der Siedlung der Menschen. Ich war auf der Durchreise und wollte eigentlich nur meinen Reiseproviant ein wenig aufstocken. Da wurde ich eines Streits gewahr, der lautstark im Gasthaus ausgetragen wurde. Ein Elb war offenbar der Mittelpunkt, denn ihn umringte eine wild durcheinander schreiende Menge. Soviel ich heraus hörte, hatte der Elb einen Menschen mit einem Pfeil verletzt und nun forderten die Menschen seine Bestrafung. Ich konnte kaum glauben, dass so etwas passiert sein sollte. Daher wuchsen meine Zweifel und ich wollte der Sache auf den Grund gehen. So stellte ich den fremden Elb zur Rede.
Erst wich er meinen Fragen aus und machte sich sogar davon. Also folgte ich ihm, entschlossen nicht locker zu lassen bis ich seine Version der Geschichte gehört hatte. Kreuz und quer folgte ich ihm durch die Stadt, bis ich ihn schließlich einholte. Erneut stellte ich ihn zur Rede, doch er warnte mich nur ihn in Ruhe zu lassen, sonst würde etwas Schlimmes geschehen. In meiner wilden Entschlossenheit schlug ich seine Warnung in Wind, meine Wissbegierde war stärker als jede Vernunft. Da passierte etwas ganz unglaubliches - er legte auf mich mit seinem Bogen an, schoß und traf mich an der Schulter. Der Schmerz war so stark, dass es mir die Sinne vernebelte. Zum Glück waren mir einige Menschen aus der Herberge gefolgt und kümmerten sich um meine Verletzung.
Nachdem ich mich von dem Schrecken und der Verletzung erholt hatte, war ich doch geneigt, den Menschen ihre Darstellung der Geschehnisse zu glauben. Ich fragte mich, ob dieser Elb es überhaupt wert sei, dass man sich um ihn kümmerte. Doch dann hörte ich die wunderbarste Musik, die ich jemals gehört zu haben glaubte. So machte ich mich auf die suche nach der Quelle und fand den flüchtigen Elb hinter einem Haus sitzen. Zuerst wagte ich mich kaum zu näher, aber dann sah ich die unendliche Trauer in seinem Gesicht und meine Schmerzne und meine Verägerung waren vergessen.
Leise setzte ich mich zu ihm und lauschte seinem Lautenspiel. Er sah mich nur kurz an und konzentrierte sich dann wieder auf seine Musik. so verging eine ganze Weile. Dann meinte er zu mir, ich hätte ihm nicht folgen sollen. Ich stimmte dem zu, fragte ihn dann aber doch nach dem Vorfall im Gasthof. Zu meiner großen Verwunderung gab er zu den Menschen verletzt zu haben, doch sei es nicht seine Schuld gewesen. Mein Erstaunen bemerkend fuhr er fort, es sei die Schuld seine Bogens. Was mir wie eine billige Ausrede klang - die ich ihm auch vorwarf - verwandelte sich durch seine Erzählung in eine tragische Lebensgeschichte.
Der Bogen, denn er schon lange sein Eigen nannte, war offenbar verflucht. Das Böse darin zwang seinen Besitzer, Dinge zu tun die er sonst nie getan hätte. Der Elb hatte in seiner Vergangenheit viel Schuld auf sich geladen, doch alle Versuche den Bogen zu vernichten, waren fehlgeschlagen. Nicht einmal der Versuch des Freitods war geglückt, der Bogen hatte dies verhindert.
Je mehr ich erfuhr, desto stärker wurde mein Mitgefühl und mit der Zeit wendete sich mein Herz diesem Elb zu. Es schien sogar, als ob unsere Liebe zueinander den Flucht bannen würde. Es geschahen weniger schlimme Dinge, allerdings mieden wir auch die Angehörigen der freien Völker, einschließlich unseres eigenen. So lebten wir zusammen wie Mann und Frau, solange das Schicksal uns ließ. Ich wurde schwanger. Aber wenngleich dies eine glückliche Wendung war, so schlug das Schicksal auch auf der anderen Seite aus. Mein Gefährte verließ Weib und ungeborenes Kind, um uns beide zu schützen. Er befürchtete, dass der Fluch uns ebenso treffen könnte wie ihn. Er sah für sich nur einen Weg, nach Osten zu wandern bis ihn dort iregndwo der Tod ereilt. Eines Morgens war er fort und ich war allein.
Tage der unendlichen Trauer, der Einsamkeit und der Sorge um mein Kind folgten. Guten Freunden kam dann der Gedanke, mich nach Imladris zu bringen, solange mein Zustand dies noch ermöglichte. Obwohl ich erst nicht wollte, willigte ich schließlich ein, und begleitet von meinen engsten Freunden machte ich mich auf die Reise. Da wir meinetwegen mit einem Fuhrwerk reisten, kamen wir nur langsam voran. Doch eines Tages erreichten wir unser Ziel. Herr Elrond nahm mich freundlich auf und gewährte mir seine Gastfreundschaft. So kam ich langsam zur Ruhe und konnte mich auf die Niederkunft vorbereiten. Jeden Tag wandelte ich unter den Baumen, lauschte dem Wasserfall und dem Gesang der Vögel. Dann kam unser Sohn zur Welt und ich nannte ihn Gilharthad - Hoffnungsstern. Denn ich verband mit ihm die Hoffnung, dass er das Gute, dass in seinem Vater immer noch gewohnt hatte, ererbt hatte ohne seinem Fluch unterlegen zu sein. Von seinem Vater, habe ich nie wieder etwas gehört. Doch in meiner Erinnerung und in meinem Sohn wird er ewig weiterleben.
Nurfiniels Blick war während der Erzählung in die Ferne gerichtet gewesen, doch nun schaute sie ihre Zuhörer mit einem leichten Lächeln an.
Das war meine Geschichte, die Euch hoffentlich nicht zu sehr bedrückt hat. Lasst uns die trüben Gedanken mit fröhlicher Musik vertreiben. Mag noch wer aufspielen?