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Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa

Verfasst: Mo 3. Jan 2011, 16:41
von Lugaidh
Seit Tagen schon weilen wir in Egladil.
Mein angeschlagener Leib erholt sich allmählich wieder, und mein Geist genest von den Prüfungen, die wir uns zugezogen haben bei unserem wahnwitzigen Unterfangen.
Anfangs war es schwierig, doch bereits am zweiten Tag war ich wieder ganz in meinem Körper drinnen. Es ist nicht schön, unfreiwillig von aussen zuschauen zu müssen, wie man auf Bahren herumgetragen wird und wie so viele sich um dich kümmern, du, der du aus Leichtsinn so viel aufs Spiel gesetzt hast. Dennoch bin ich dankbar. Sie haben sich unser angenommen und uns nach Lorien gebracht.

Seltsame Bilder waren vor meinem inneren Auge vorbeigezogen...
Das vom Morgentau feuchte Gras von Hithlum...die bleichen Gipfel der Ered Wethrin... Die Nebel, die wie unausdenkbare Gebilde der Melancholie sich durch die Ebenen schlängelten... die elegant geschwungenen Dächer der Siedlungen des nördlichen Gebiets, der erste Schnee im Herbst, wenn die Eiskristalle glänzten und klangen wie lebendiges Silber...
Der helle Klang der Hörner, wenn ein Hauptmann Prinz Fingons wieder einmal den Waldrand entlangritt, das BLitzen der goldenen Köcher auf dem Rücken der berittenen Krieger...
Das Lachen der Freunde, das ernste Gesicht des Vaters...
Dann kamen andere Bilder dazu, Bilder von dunklem Getöse riesiger Schlachten, Felder, übersäht mit Leichen von den unseren, ihre bleichen Brünnen vergebens schimmernd im Dunst des Todes...
Der singende Fels, die Weisse Stadt, hell und rein schimmernd in der Morgenröte...
Heerscharen von Flüchtlingen an Ufern von breiten Flüssen...
Die bunten und schmalen Fenster in den Städten Lindons...
Das schöne und weisheitsvolle Gesicht unseres Königs...
Die Helmbüsche der Númenórer auf der Dagorlad, vermengt mit den blinkenden Schwertern unseres Volkes...
Einsame Landstriche einsamer Wanderzeiten...
Es tauchten andere Bilder auf, die Hand Aerendirs, wie sie am Schwerte ruhte...
Die klugen Augen Rosiels, der leichte Schritt von Handrandir...
All dies war wie der Nebel in den Bergen Hithlums an mit vorbeigezogen, und ich wusste, dass ich an der Schwelle des Lebens gestanden und mit dem Dahinscheiden gerungen hatte.
Nun sieht das Auge klarer und ich kann bereits wieder langsam gehen.
Doch es gibt noch etwas anderes...
Ein dunkler, bedrohlicher Fleck irgendwo in meinem Kopf, zu nahe, als dass ich es nicht beachten könnte...
Es gibt noch eine Reihe an Bildern, die verschwommen sind und unscharf gezeichnet, doch ich kann sie nicht richtig anordnen...
Was ist geschehen?
Ich setze mich auf eine Bank und blicke hinauf zu den rauschenden Bäumen.
Was geschah, nachdem wir die weite Arena verliessen?
Wir wähnten die Verfolger abgezogen. Das verriegelte Tor war nicht aufgebrochen worden. Wir öffneten es und traten nach draussen.
Es war still. Wir eilten den dunklen Zwinger hinab...
Gesichter. Wüste, grimmige Gesichter unter Stahl und reissenden Zähnen.
Zu hunderten umringten sie uns...Wir waren verloren.
Die Schneiden meines Schwertes brannten wie blaues Feuer.
Wir erschlugen etliche in unserer letzten, verzweifelten Verteidigung.
Lamoriels Klingen sirrten wie aus dem Himmel herabstossende Falken.
Dann kamen grosse Gegner hinzu, turmhohe Trolle mit roten Zungen.
Einige von ihnen fällten wir, doch schliesslich warfen sie uns gegen eine Wand.
Dann wurden wir begragen...begraben von einer Flut aus brüllenden, geifernder Masse, die Diener des Feindes warfen sich auf uns, ungeachtet ihrer Verletzungen.
Die Nacht brach herein.
Was ist geschehen?
Ich schliesse die Augen.
Wüste Befehle nehme ich war, rauhe Griffe an einem betäubten Körper, trappelnde Schritte. Borstige Fesseln, die ins Fleisch schneiden.
Dunkelheit...
Die giftgrün schimmernden Fenster eines minderen Turmes. Spöttische Gesichter von seltsamen Menschen. Tore, die sich öffnen, um uns zu verschlucken.
Dunkelheit...
Das Gesicht Lamoriels, übersäht von Schrammen, voll von Dreck und Staub. Die klaffende Wunde an seinem Schlüsselbein. Die Feuchtigkeit eines Kerkers, tief unter der Erde.
Dunkelheit...
Die gellenden Fragen und Schreie eines Hauptmanns. Das Knarren von dunklen Maschinen. Das Gelächter der Knechte; das Zischen der Peitschen.
Mein eigener Körper, kraftlos zusammengebrochen. Die Beobachtung meiner selbst.
Dunkelheit...
Sie stellten Fragen an uns. Seltsame Fragen. Nicht an eine entsinne ich mich.
Drohungen, Finsternis, Schmerz. Die Vitalität meines Leibes schwindet.
Lamoriel höhnt unserer Peiniger.
Dunkelheit...
Schwarze Hände tasten herum. Ein hässliches Murmeln greift nach mir. Müde wehrt sich mein Geist. Ich habe das Gefühl für Zeit verloren. Gifte und übles Gebräu soll unseren Widerstand brechen. Wie Tote liegen wir, nackt, schutzlos.
Dunkelheit...
Ich stehe auf, wandere über die Brücke, erklimme einen Talan. Der Anduin glänzt golden in der Abendröte.
Was ist geschehen?
Schreie. Seltsame Hörner, helle Hörner. Das Getrappel von vielen Füssen, das Klirren von Waffen. Stille. Jäh erwacht das Gefühl der Zeit, der aufblitzende Willen. "Lamoriel!" krächzend ist die Stimme, die aus der Kehle kommt.
"Jetzt! Auf, auf!" Wir rappeln uns auf. Kriechen. Torkeln. Fallen.
Dunkelheit...
Elbereth weiss, was geschehen ist...
Gesichter, freundliche Gesichter unter goldenen Helmen. Besorgte Worte, leise und rasch gesprochen. Vorbeiziehende, blasse Sterne. Lagerfeuer der Malledhrim, die in der Ferne brennen. Wohin werden wir gebracht?
Jegliche Kraft verlässt mich.
Dunkelheit...
Vardas durchdringendes Auge bewahrte dich vor dem Niedergang, alter Narr.
Das leise Atmen der Bäume bringt Heilung vor dunklen Wunden.
Wir sprechen bei der Herrin vor.

Später lagern wir auf einem Talan.
Die Kunde, die wir brachten, brachten bereits einige. Langsam hat sich das Wissen um den Dunklen Turm geklärt. Wir waren nicht die einzigen, die sich so weit vorgewagt haben.
Wir werden die Kunde nach Eriador bringen, der Tûr soll sie erfahren.

Re: Bruchstücke der Erinnerung: Der dunkle Turm vom Düsterwa

Verfasst: Di 4. Jan 2011, 12:44
von Lugaidh
((Fortsetzung: Lasselanta mi Lórien))